Das Leben im Südsudan

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Akech Dut Goch kennt ihr Alter nicht, dennoch wagt sie eine Schätzung – 100 Jahre sei sie alt.

In ihrem Gesicht, das mit unzähligen Falten durchzogen ist und ihrem skelettartigen Körper, spiegelt sich ein Jahrhundert wider. Ihr zierliches Körpergestell ist wahrscheinlich mit dem Alter, aber ebenso durch die spärliche Ernährung, dürr geworden.
Akech bewegt sich dennoch so grazil und anmutig, wie dies selbst bei Menschen, die Jahrzehnte jünger sind, selten zu sehen ist. Und während wir sie auf das Interview in dem ländlichen Dorf Jarweng vorbereiten, legt sie ihre Beine, wie eine Katze, feinsäuberlich neben sich ab. Sie strahlt außerdem eine Aura ruhiger Gelassenheit aus. Angesichts des tiefgreifenden menschlichen Leids, das ihr wiederfahren ist, ist dies kaum zu glauben.

Sie durchlebte eine harte Kindheit, in der sie alle ihre sechs Geschwister zu Grabe tragen musste. In einem Land, das durch den Krieg so aus den Fugen geraten ist, lässt sich nur schwer sagen, an was sie gestorben sind. Ihr letzter verbliebener Bruder wurde im Dezember 2013 gnadenlos niedergeschossen.
Ihren Namen erhielt sie in ihrer Kindheit: Akech, was soviel bedeutet wie Waise. Akech ist niemals zur Schule gegangen und kennt niemanden, der je eine Schule besucht hätte.
Der Grund hierfür ist, dass sie und ihre Gleichaltrigen einer Tätigkeit nachgingen, die kulturell weitaus tief verwurzelt ist – der Rinderzucht.

Akech geht der Frage aus dem Weg, wie viele Kinder sie gehabt hat. Die Frage trifft offensichtlich einen wunden Punkt. Auf weiteres Nachfragen hin verrät sie, dass sie sechs Kinder gehabt hätte und dass nur ihre Tochter Achol das Erwachsenenalter erreicht hätte.
Ihre Tochter Achol hat vier Kinder, Bul Tuch zehn Jahre alt, Dhieu Thuch, acht Jahre alt und in Uganda lebend, Panrach Thuch, sechs Jahre alt und Nyagock Tuch, vier Jahre alt.

Im Dezember 2015 überquerten sie den Fluss, der auf die andere Seite führt, um den Kämpfen zu entrinnen und sie flüchteten, wie Tausende andere, nach Mingkamen. Ihre Tochter Achol und deren Mann wurden während der Unruhen erschossen.
Sie sagt, eine humanitäre Organisation habe ihnen geholfen, am Leben zu bleiben. Sie erzählt, sie hätten „für lange Zeit“ in Mingkamen gelebt.

Als sie zu ihrem Zuhause zurückgekehrt seien, sei das Dorf völlig überwuchert gewesen. Als sie sich durch das Dickicht gekämpft hatten, hätten sie bestürzt feststellen müssen, dass das Haus geplündert und zerstört worden sei und dass ihre Betten mitgenommen worden seien. Und auch ihr Werkzeug zum Mahlen von Sorghumhirse sei gestohlen worden.

Ihre Situation war absolut aussichtslos. Als Rückkehrer erhielten sie Unterstützung und Lebensmittel durch das WFP (Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen). Sie erhielten pro Monat 5 kg Sorghumhirse und eine Flasche Öl. Das hielt sie am Leben. Abgesehen von Lebensmitteln bekamen Sie ebenfalls Plastikplanen, Wasserbehälter und Seife.

Akech meint, sie erinnere sich daran, dass das JAM-Team sie besucht habe, dass sie jedoch aufgrund ihres schwindenden Augenlichts keine einzelnen Gesichter hätte erkennen können. Sie ist sehr dankbar dafür, dass JAM für das Haus bezahlt hat. Während sie erzählt, dass ihre Enkelkinder beim Bau mitgeholfen hätten, sind ihre Augen mit Freude erfüllt. Das beschauliche Gebäude steht mittlerweile stolz auf dem festen Fundament.

Über JAM spricht sie voller Dankbarkeit. „Ich bin alt und schwach. Ich kann mich nur noch sehr schlecht um meine Enkelkinder kümmern, aber ich habe dieses Haus“, teilt sie über ihren Dolmetscher mit. Sie sagt, dass die Hilfe, die sie von JAM erhalten hat, ein Zeichen der Hoffnung in ihrem Leben wäre.

Mehr Information über den Südsudan finden Sie hier.

 

Mai, 15, 2017

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